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Wie viel (Virtual) Memory braucht ein Hyper-V Host?

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Vor einigen Tagen hat Nils Kaczenski einen Hinweis zum Thema Hyper-V Pagefile publiziert. Dieses Thema ist sehr umfassend und komplex, daher werden hier die benötigten Informationen bereitgestellt welche die Frage, wie viel Virtual Memory ein Hyper-V Host braucht beantworten werden.

Heutzutage legt das Betriebssystem automatisch die benötigte Grösse des Virtual Memory (pagefile.sys) fest, dies entspricht mindestens dem installierten Memory, maximal dem doppelten Wert. Sollte dieses zur Neige gehen, kann Windows Daten in das Pagefile auslagern. Heisst das nun, dass ein Hyper-V Host mit 64 GB Physical Memory mit zusätzlich 128 GB Disk Space für das pagefile.sys ausgestattet werden müssen? Nein! Zwar verfügt auch ein Hyper-V Host über ein Pagefile, allerdings geht es in diesem Fall rein um die Hyper-V Parent Partition. Da bereits beim Start einer Virtual Machine das Physical Memory zugewiesen wird, steht der Parent Partition jeweils nur “der Rest” zur Verfügung.

Physical Memory Bedarf der Parent Partition

Bevor über Virtual Memory gesprochen wird, sollte ermittelt werden wie viel Physical Memory die Parent Partition benötigt. Dies kann durch verschiedenste Faktoren beeinflusst werden. Daher ist es von grosser Wichtigkeit, dass auf ein solchem System nur qualifizierte und effektiv benötigte (Management-)Software installiert wird:

  • Installation Mode:
    • Core
    • Full
  • Management Agents
    • Management: SCOM, SCCM, SCVMM
    • Backup: SCDPM
    • Anti-Virus: Forefront Endpoint Protection
  • Zusätzliche Software
    • Nicht empfohlen

Ein erster Anhaltspunkt gibt wie immer der Windows Task Manager. Viel mehr Details zu der Auslastung können allerdings mit dem Sysinternals Process Explorer ermittelt werden.

Im Unterschied zu einem Windows Server muss bei einem Hyper-V Host zusätzlich auch ein Overhead für den Hypervisor (300 MB) und die Virtual Machines berücksichtigt werden. Der Overhead einer Virtual Machine richtet sich nach dessen Hardware Konfiguration, konkret nach dem zugewiesenen Memory. Für das erste v-GB werden 32 MB, für jedes zusätzliche v-GB werden nochmals je 8 MB benötigt. Dies kann anhand der folgenden Beispiele besser veranschaulicht werden:

  • Guest mit 2 GB Memory = +40 MB Overhead
  • Guest mit 4 GB Memory = +56 MB Overhead
  • Guest mit 8 GB Memory = +88 MB Overhead

Damit die Parent Partition auch über die benötigten Ressourcen verfügen kann, sollte eine “Memory Reserve” konfiguriert werden. Dort wird das Physical Memory für die Parent Partition reserviert. In der Regel liegt der Bedarf bei einem Hyper-V Host bei ~2 GB. Diese Konfiguration wird in der Registry vorgenommen, bei einem Hyper-V Failover Cluster kann dies auch mittels PowerShell konfiguriert werden PS> (Get-Cluster MyCluster).RootMemoryReserved=2048 Mit SP1 wird diese Einstellung allerdings hinfällig.

Windows Server 2008 und 2008 R2

Key: HKLM\SOFTWARE\Microsoft\WindowsNT\CurrentVersion\Virtualization
Entry: RootMemoryReserve
Type: DWORD
Value: 2048 (Decimal)

Windows Server 2008 R2 SP1

Key: HKLM\SOFTWARE\Microsoft\WindowsNT\CurrentVersion\Virtualization
Entry: MemoryReserve
Type: DWORD
Value: 2048 (Decimal)

Die Grösse des Pagefile

Am besten lässt sich das Paging-Verhalten eines Servers mit dem Performance Monitor analysieren. Dazu werden die folgenden beiden Counters benötigt:

  • Pagefile – % Usage
  • Memory – Available Mbytes

Dies kann auch mit logman.exe in einem Command Prompt, zum Beispiel bei bei Server Core, durchgeführt werden:

C:\> logman.exe create counter Pagfile-Counter-Log -o "c:\perflogs\PageFile_Sizing.blg" -f bincirc -v mmddhhmm -max 250 -c "\Memory\*" "\Paging File(*)\*" "\Process(*)\*" -si 00:00:15C:\> logman.exe start Pagefile-Counter-Log

Die Daten sollten über einen Zeitraum von mindestens einer Woche gesammelt werden. Danach kann mit C:\> logman.exe stop Pagefile-Counter-Log die Analyse wieder gestoppt werden.

Pagefile Konfiguration (bei Server Core)

Die Einstellungen zum Pagefile kann bei einer Installation mit Grafischen User Interface (GUI) wie gewohnt in den System Eigenschaften vorgenommen werden. Nur bei Server Core muss dabei auf WMI zurückgegriffen werden. Zunächst muss allerdings das automatisch verwaltete Pagefile deaktiviert werden, da sonst das “neue” Pagefile nicht angelegt werden kann. Der Befehl würde mit “No Instance(s) available” fehlschlagen.

wmic computersystem set AutomaticManagedPagefile=False

Um ein Pagefile von zum Beispiel 10 GB zu konfigurieren muss folgender Befehl eingegeben werden:

wmic pagefileset where name="C:\\pagefile.sys" set InitialSize=10240,MaximumSize=10240

Hinweis bei “Copy & Paste”: Werden die WMIC Befehle kopiert, müssen allenfalls die “” ausgetauscht werden.

Bei Hosts mit wenig Memory (< 32 GB) kann, sofern genügend Disk Space vorhanden ist, auch bedenkenlos die Einstellung des Virtual Memory auf “System Managed” belassen werden. In der Vergangenheit hat sich ein Pagefile von 10 GB sehr gut bewährt was auch als Standard zu empfehlen ist.

Weitere Informationen

Hyper-V , Windows Server

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About the Author

Michel Luescher is a solution architect in the worldwide Datacenter & Cloud Infrastructure Center of Excellence (CoE) at Microsoft Corporation based out of Zurich, Switzerland. Primarily, Michel is focused on hybrid cloud solutions (Hyper-V, System Center and Microsoft Azure). In addition Michel is speaker, blogger and author of several books.

Comments (3)

  • James Cunningham says:

    Hallo, du schreibst in deine Eintrag das “RootMemoryReserve” bei Windows 2008 R2 SP1 hinfällig wäre. Wir haben festgestellt das der Wert im Registry immer noch der gleiche ist. Aktuell setzen wir Windows Server 2008 R2 Service Pack 1(RTM Version) ein. Grüße, James.

     
    • Michel says:

      Hi James,

      der Wert ist noch da / sichtbar, wurde aber durch den Eintrag MemoryReserve ersetzt. Wie habt ihr getestet?

      Gruss,
      Michel

       

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